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Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe Schrenk
Lebensmittelinhaltsstoffe und Darmgesundheit
Durch den Dioxinrezeptor vermittelte Wirkungen
Apoptosehemmung durch Tumorpromotoren
Toxikologie bromierter Flammschutzmittel

Lebensmittelinhaltsstoffe und Darmgesundheit
Tumoren des Dickdarms wie z.B. das colorektale Karzinom zählen zu
den häufigsten Krebserkrankungen der westlichen Industrieländer
und gehören zu den häufigsten Todesursachen. Für ihre Entstehung
werden, neben genetischen Faktoren, eine ballaststoffarme, kalorien- und
fettreiche Ernährung sowie bestimmte Nahrungsbestandteile z.B. aus
gegrilltem Fleisch usw. verantwortlich gemacht. In der Literatur mehren
sich Hinweise darauf, dass eine ballaststoffreiche Ernährung, die
reich an Obst und Gemüse sowie anderen pflanzlichen Lebensmitteln
ist, dieser Erkrankung vorbeugen kann. Die Arbeitsgruppe befasst sich
im Rahmen des BMBF-Netzwerks »Rolle
von Nahrungsbestandteilen in der Genese von Darmkrankheiten und Möglichkeiten
ihrer Prävention durch die Ernährung« mit der Wirkung
von Inhaltsstoffen pflanzlicher Lebensmittel, insbesondere denen des Apfels,
auf die Expression fremdstoffmetabolisierender Enzyme im Colon. Ferner
werden die Wirkungen von Fermentationsprodukten des mikrobiellen Stoffwechsels
der Darmflora auf Darmzellen untersucht. Chronische Darmentzündungen
wie z.B. Colitis ulcerosa oder Colitis Crohn zeigen eine zunehmende Inzidenz
in westlichen Industrieländern. Dabei konnte bisher die Bedeutung
der Ernährung für das Auftreten dieser Erkrankungen nicht zweifelsfrei
geklärt werden. Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe weisen darauf
hin, dass Inhaltsstoffe pflanzlicher Lebensmittel, insbesondere diejenigen
des Apfels, eine entzündungshemmende Wirkung nach Auslösen akuter
Entzündungszustände im Dickdarm von Versuchstieren ausüben.
So konnten z.B. durch Verabreichung von Apfelsaft anstelle von Trinkwasser
die Symptome einer akut ausgelösten Colitis an Ratten deutlich abgemildert
werden.

Durch den Dioxinrezeptor vermittelte Wirkungen
Der Dioxin- oder Ah (aryl hydrocarbon)-Rezeptor (AhR) ist ein basic helix-loop-helix-Transkriptionsfaktor,
der durch Bindung agonistisch wirkende Liganden aktiviert wird. Nach zusätzlicher
Bindung des aryl hydrocarbon receptor nuclear translocator (ARNT) bindet
der AhR-Komplex an responsive Elemente in der 5'-flankierenden Region
bestimmter Gene. Hierzu zählen vor allem Gene, die Fremdstoff-metabolisierende
Enzyme kodieren wie z.B. Cytochrom P4501A1 und 1A2, eine UDP-Glucuronosyltransferase,
die Glutathion-S-transferase Ya und andere. Außerdem werden die
Gene fźr Interleukin1ß und Plasminogen-Aktivator-Inhibitor 2 (der
Ratte) AhR-abhängig reguliert. Ferner kommt es durch Ligandenbindung
am AhR zur direkten Aktivierung einer AhR-assozierten Tyrosinkinase (c-src).
Zu den potentesten Agonisten des AhR zählt 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin
(TCDD), der Prototyp des toxischen Dioxins. Die meisten toxischen Wirkungen
der Dioxine in der Umwelt werden durch Aktivierung des AhR
vermittelt, wobei die zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht im einzelnen
bekannt sind. Die Arbeitsgruppe befasst sich mit der AhR-vermittelten
Induktion Fremdstoff-metabolisierender Enzyme sowie anderen AhR-vermittelten
Wirkungen in Zellkultur.

Apoptosehemmung durch Tumorpromotoren
Apoptose (programmierter Zelltod) kann als ein physiologischer Vorgang
das Absterben von nicht mehr benötigten Zellen bewirken. Ferner tritt
Apoptose als Reaktion auf ein schwere bzw. irreversible Schädigung
einzelner Zellen z.B. durch gentoxische Einwirkungen auf. Interessanterweise
wird häufig eine höhere Apoptoserate in Tumorzellen sowie in
Tumorvorläuferzellen (Präneoplasien) beobachtet. Die Hemmung
der Apoptose präneoplastischer Zellen z.B. in der Rattenleber ist
wahrscheinlich ein wesentlicher Wirkungsmechanismus vieler sog. Tumorpromotoren.
Dabei handelt es sich um Stoffe, die nicht selbst krebsauslösend
im eigentliche Sinne sind, aber das Wachstum bereits früher Stadien
von Präneoplasien verstärken. Damit kommt es unter dem Einfluß
von Tumorpromotoren zu einer höheren Tumrorrate bzw. zu einem früheren
Auftreten von Tumoren. TCDD (siehe 2.) Ist einer der
potentesten Tumorpromotoren in der Leber von Nagern. Da TCDD auch beim
Menschen als kanzerogen gilt, kommt der Aufklärung des Wirkmechanismus
von Dioxinen als Tumorpromotoren weitreichende Bedeutung zu.
Die Arbeitsgruppe befasst sich mit in vitro- und in vivo -Modellen, die
eine Untersuchung der Hemmwirkung von TCDD und anderen Promotoren der
Hepatokarzinogenese (z.B. Phenobarbital) auf die Apoptose erlauben.

Toxikologie bromierter Flammschutzmittel
In nahezu allen feuerempfindlichen bzw. entflammbaren Materialien aus
Kunststoffen, Geweben, Papier usw. ist der Einsatz von Flammschutzmitteln
mehr und mehr verbreitet. Insbesondere die Klasse der bromierten, organischen
Flammschutzmittel wird im Maßstab von mehreren Millionen Tonnen
pro Jahr weltweit eingesetzt. Einige dieser Verbindungen weisen eine ausgeprägte
Persistenz in der Umwelt auf und sind in Sedimenten und Böden, zum
Teil auch in höheren Organismen, im menschlichen Körper und
in der Muttermilch nachweisbar. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf
hin, dass einige bromierte Flammschutzmittel an Versuchstieren endokrine
Störungen, vor allem Störungen des Hormonhaushaltes und der
Entwicklung auslösen können. Eigene Untersuchungen an Ratten
zeigen, dass das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) ein Induktor
des hepatischen Cytochrom P450 (CYP) 3A1 ist. Ferner kommt es zur Induktion
von CYP 2B-Enzymen. In Transfektionsexperimenten zeigte sich, dass HBCD
den Pregnan X-Rezeptor (PXR) der Ratte aktiviert und vermutlich über
diesen Mechanismus die Induktion von CYP 3A-Enzymen auslöst. Ferner
konnte mit einem Gemisch aus fünf der weltweit am weitesten verbreiteten
bromierten Flammschutzmittel, der polybromierten Diphenylether, eine Aktivierung
des PXR-Signalweges in menschlichen Zellen in Kultur nachgewiesen werden.
Diese Befunde deuten darauf hin, dass einige bromierte Flammschutzmittel
an Versuchstieren bzw. beim Menschen eine Induktion von Enzymen des Fremdstoffmetabolismus
bewirken können, die an der Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts
von Schilddrüsen- und Steroidhormonen beteiligt sind.

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